Glück Auf Potosi – Die Minenstadt Boliviens

Categories: 28_Bolivien
Published on: 1. Dezember 2016

Nach den tollen Erlebnissen in der Salar de Uyuni ging es mit dem Bus weiter in die Stadt Potosi. Während der dreistündigen Busfahrt (50Bs./7€/2P) konnten wir aus dem Fenster heraus fernsehen. Die Geschwindigkeit war genau richtig um die bergige Landschaft, die Täler und die kleinen Dörfer zu bestaunen. Wir waren immer noch auf einer Höhe von 3700 m unterwegs.

Die Minenstadt Potosi selbst liegt auf 4000 m Höhe. Die Stadt hat 175000 Einwohner und über ihr thront der Cerro Rico, der Reiche Berg. Neben den vielen Kolonialbauten und dem schönen Plaza de Armas ist Potosi für seine Bergbauaktivitäten bekannt. Es werden heute noch Silber, Zinn und Kupfer im Cerro Rico abgebaut.

Wir schlossen uns einer Tour an, die uns den täglichen Knochenjob der Minenarbeiter näher brachte (160Bs./21€ /2P). Unsere Führerin holte uns morgens im Büro des Veranstalters ab und brachte uns in einen Raum mit der Arbeitskleidung für heute. 😉 Jörn war in seinem Element. Er stammt aus einer Bergbaufamilie und hatte Zuhause im Saarland selbst ein paar Jahre im Steinkohlebergbau gearbeitet. Für ihn war es spannend zu sehen wie die Kumpels hier arbeiten. Jeder bekam eine Hose, Jacke, Staubmaske, Helm und Kopflampe. 😀 Für die Kamera und Getränke gab es einen kleinen Umhängebeutel.

Perfekt für den Tag in der Mine ausgestattet fuhren wir zuerst zum Markt der Minenarbeiter, Mercado de los Mineros. Es ist der einzige Markt auf der Welt auf dem wir legal Dynamit kaufen können. 8-| Das brauchten wir heute aber nicht, wir hatten noch genug von gestern im Rucksack. 😉 Jeder kaufte einen Beutel mit Cocablättern, Arbeitshandschuhen und Getränken für später an die Arbeiter verteilen zu können (40Bs./5€/2P). Von der netten Verkäuferin wurden wir in den Verzehr der Cocablätter eingeweiht. Wir probierten die Blätter und dazu wurde süße Pottasche gereicht. Die Pottasche wandelt das herausgelöste Kokain chemisch so um, dass die Cocablätter nicht süchtig machen. Daher sollen die wenigsten Arbeiter oder auch Peruaner und Bolivianer nicht abhängig davon sein. :-/

Nach dem Einkauf ging es zum Cerro Rico in die Mine. Kopflampe an und wie die sieben Zwerge folgten wir unserer Führerin durch den Berg. Entlang der Gleise ließen wir die ersten Meter hinter uns. Immer wieder kamen uns Kumpels mit einer Lore voller Abraum entgehen. Manche hielten für einen kurzen Plausch an. Sie bekamen dann von einem von uns ein Gastgeschenk überreicht. Die Cocablätter und die Limonade kamen am besten an. Danach wurde Schwung genommen und die Lore von Hand Richtung Ausgang geschoben.

Die Arbeiter sind in kleinen Gruppen organisiert. Es gibt keine Firma, die den kompletten Berg verwaltet. Jeder Chef hat eine handvoll Leute unter sich mit denen er ein Gebiet im Berg besitzt. Mit Hilfe von Dynamit wird sich der Weg zum Silber gebahnt. Gefühlt weiß niemand welche Gruppe, wann und wo sprengt. Ab und an merkten wir eine Detonation. Wir vertrauten auf unseren Boss, sie ging zielstrebig voraus und meinte: „Es sei noch nie etwas passiert, das Granitgestein des Berges ist hart.“ Ok, weiter ging es durch den Berg. Zumindest konnten wir beide fast die ganze Zeit aufrecht laufen. An unseren Freund hatten sie nicht gedacht. Er ist so groß, dass er immer in gebückter Haltung gehen musste. Ja, bekanntlich beträgt die Durchschnittsgröße der bolivianischen Männer 1,60 m. Der Durchschnittsmann in Deutschland ist 1,80 m groß. Warum soll man auch mehr graben als nötig. Damit die Touris bequem und angenehm durch den Berg laufen können? 😉

Über lange senkrechte Leitern erreichten wir einen Jungen. Er war eingeteilt, die befüllten Gefäße mit einer Seilwinde auf die Ebene über den Loren zu ziehen. Die Gefäße bestehen aus Gummi von Altreifen. Die Loren werden von hier aus über eine Holzrutsche befüllt. Danach zeigte sie uns, wie die Kumpels den Adern des Silbers folgen. Hier verläuft die Strecke nicht mehr gerade, sondern entlang der Ader. Teilweise gab es Löcher in der Strecke die 30 m neben uns hinunter zu einer anderen Ebene führten. Absperrungen, Fehlanzeige. Jeder ist für seinen nächsten Schritt selbst verantwortlich. 😉

Gegen Ende statteten wir dem Schutzpatron der Bergleute einen Besuch ab, Tio der Teufel. Diese Teufelsfiguren sitzen in jeder Mine und werden täglich mit 96-prozentigem Trinkalkohol, Tabak und Cocablättern besänftigt. Alles was die Arbeiter natürlich auch selbst konsumieren. 🙁 Während eines kleinen Rituals zeigte uns unsere Führerin die Vorgehensweise. Die Kumpels glauben, dass es Gott unter der Erde nicht gibt und daher zeigt ihnen Tio die besten Silberadern und beschützt sie vor Arbeitsunfällen.

Nach guten zwei Stunden erblickten wir wieder Tageslicht. Unglaublich wie hier noch gearbeitet wird. Wir wissen nicht wie viel seit der Kolonialisierung hier an Fortschritt passiert ist. Fast alles wird per Hand und dem Einsatz von Dynamit gemacht. Selbst die schweren Loren werden von zwei Arbeitern nach draußen befördert. Der Abraum wird in kleinen Holzverschlägen gesammelt und einmal wöchentlich von den Firmen, die die Bestandteile aus dem Gestein lösen, abgeholt.

Die Kumpels wollen bestimmt keine Technik in ihrem Berg zulassen, damit sie noch lange in ihm graben können. Oder, was sehr traurig wäre, sie haben keine andere Wahl. Kein Geld um Maschinen zu kaufen und müssen daher alles so bewältigen. Viele fangen im Alter von 12 oder 13 Jahren in der Mine an zu arbeiten, schuften für ein paar Bolivianos am Tag und wissen, dass ihre Lebenserwartung bei 40 – 45 Jahren liegt. 🙁

Wir machten uns, schon nur nach zwei Stunden, staubig und erschöpft auf in die unterhalb liegende Stadt Potosi. Die Hitze und in einem Berg, auf einer Höhe von 4500 m zu sein, ließen uns nicht schweißfrei hindurch wandern.

Den nächsten Tag liefen wir staubfrei durch die Gassen von Potosi und schauten uns die Gebäude und Plätze an. In einem kleinen Café gönnten wir uns ein Stück Kuchen, bevor es in die eigentliche Hauptstadt Boliviens, nach Sucre, ging.

– Glück Auf –

Erlebt: Mai 2016

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