Wintercamping im Torres del Paine Nationalpark – Teil 2

Categories: 32_Chile
Published on: 17. Juli 2017

Patagonien – Chile

Der nächste Tag begann zum Sonnenaufgang um 8:30 Uhr. Das Problem im Winter, die Sonne geht erst spät auf und dazu früh wieder unter, sodass man nicht viele Stunden zum Wandern hat. Also muss man die Zeit, die einem zur Verfügung steht, gut nutzen. Anders schafft man die Tagesetappen im Winter nicht. Täglich sahen wir noch Wanderer, die im Dunkeln mit einer Taschenlampe unterwegs waren um am Ziel anzukommen.

Ohne Gepäck, nur mit ein paar Snacks und Wasser, liefen wir an unserem zweiten Tag bis zum Grey Gletscher (22 km hin und zurück). Der erste Abschnitt führte uns raus aus dem Tal, an Seen und abgebrannter Natur vorbei. Einen Gaskocher darf man nur an ausgewiesenen Stellen benutzen. So passierte es 2012, als ein Camper am Weg mit einem Gaskocher das Gras anzündete und dabei 170 km² Wald abbrannte. Die Natur erholt sich langsam, trotzdem sind noch deutliche Spuren zu erkennen.

Nach der kalten Nacht kamen wir nach zwei Stunden gut aufgewärmt zum ersten Aussichtspunkt, von wo aus wir den Lago Grey mit Eisschollen und den Gletscher zum ersten Mal sahen. Wir liefen noch 1,5 Stunden weiter bis kurz hinter das Refugio Grey (im Winter geschlossen). Von einer kleinen Anhöhe aus hatten wir einen super Blick auf den vor uns liegenden Gletscher. Wir genossen das herrliche Wetter, doch viel Zeit blieb nicht, denn wir mussten wieder alles zurücklaufen. Nach insgesamt 22 km kamen wir wieder am Refugio Paine Grande an.

Eigentlich hätten wir heute noch zwei Stunden (7,5 km) weiter bis zum Camp Italiano mit kompletten Gepäck laufen müssen. Wir verzichteten aber darauf und blieben eine weitere Nacht auf dem Zeltplatz vom Refugio Paine Grande (11000CLP/15€/2P/1N). Die vier Österreicher liefen noch die 7,5 km bis zum nächsten Ziel. Die Nacht war kalt und nass. So fragten wir die Angestellten ob wir die Nacht auf dem Boden vor den Kamin verbringen dürften. Und wir durften, yeah…

Nach dem Frühstück packten wir alles zusammen und marschierten im Regen bis zum Camp Italiano. Auf dem gesamten Trail gibt es keine Möglichkeiten sich unterzustellen. Wir hatten Gott sei Dank unsere Regenschirme dabei. Die beste Trekkingausrüstung der Österreicher hilf da auch nicht. Es war ununterbrochen am Schütten. Sie waren am Ende nasser als wir. Wir hatten nur unsere billigen Regenjacken und unsere Schirme aus China, die uns aber weitestgehend trocken hielten.

Der Weg kam uns wie eine Ewigkeit vor und es hörte einfach nicht auf zu Regnen. Über uns hingen dicke Wolken und Nebel. So entschlossen wir, als wir am Camp Italiano ankamen, uns kurz zu stärken und das zweite Tal auszulassen. Es wären weitere 6,5 km – 3,5 h ins Tal hinauf, im Regen und Nebel, gewesen. Und das gleiche wieder zurück. Wir kochten uns eine Suppe und gingen dann weiter zu unserem Tagesziel dem Camp Los Cuernos, 5,5 km – 2,5 h. Wir liefen oberhalb des Sees Nordenskjöld entlang. Es hörte nur mal für eine kurze Zeit auf zu Regnen. Da wir uns unterhalb des Nebel befanden hatten wir eine gute Sicht auf den Weg und den See. Am Camp angekommen wussten wir, dass hier Arbeiter sind um es für die Saison aufzubereiten, das hatte es auch gewaltig nötig. Nach einer Zeit sahen wir die Arbeiter. Wir fragten, ob wir den Campingplatz benutzen dürfen. Sie waren nicht gerade begeistert, aber letztendlich durften wir unser Zelt bei ihnen aufschlagen. Die Toilette war Mutter Natur. 😉

Nach einiger Zeit kamen die Österreicher. Sie waren durchnässt und den ganzen Weg im zweiten Tal hoch gelaufen, hatten aber keinerlei Sicht gehabt, da sie sich in den Wolken befanden. Ok, wir haben für uns die richtige Entscheidung getroffen nicht die Mitte des W’s zu laufen. Sie stellten ihr Zelt ebenfalls hier auf. Wir aßen zusammen und danach ging jeder in sein Zelt zum Schlafen. Wasser zum Trinken und Kochen haben wir uns immer in den Seen und Flüssen aufgefüllt.

Die ganze Nacht und den Morgen hatte es geregnet. Es half alles nichts, wir mussten weiter. Für unsere Isomatten hatten wir große Mülltüten gekauft, nun mussten sie als extra Regenschutz für unsere Rucksäcke herhalten. Wir versuchten unsere Sachen so gut es ging trocken zu halten. So stülpten wir die Mülltüten über unsere Rucksäcke und dann die normale Regenhülle darüber. Heute ging es ohne Frühstück los, da es keinen Unterstand gab und es einfach nur regnete. Wir versuchten das Zelt so schnell wie möglich zusammen zu falten, aber der Boden war schon durchnässt, genauso wie die Isomatten. Mit unseren Schirmen bewaffnet zogen wir weiter am See entlang. Gegen Mittag hörte es mal auf zu regnen und die Sonne versuchte durchzukommen. Wir nutzten den Moment um erstmals etwas zu essen. Aber zu früh gefreut, keine halbe Stunde später regnete es wieder.

Wir kamen an die Kreuzung wo wir uns entscheiden mussten ob wir den Aufstieg ins letzte Tal, zum Highlight des Parks, den drei Türmen machen oder es ebenfalls wegen schlechtem Wetter auslassen und direkt zum letzten Refugio gehen. Wir wollten es probieren, trotz des schlechten Wetters. Von nun an ging es stetig bergauf. Durch den vielen Regen waren die Wege überflutet. Wir hüpften von Stein zu Stein, balancierten über Hölzer und schmissen Äste und Steine vor uns um irgendwie über die Wege zu kommen. Das Wetter wurde immer schlimmer. Dichter Nebel zog auf. Es wurde kalt. Es fing an zu schneien. Wir gingen weiter und weiter. Irgendwann kamen wir an ein großes abfallendes Matschfeld. Jörn versuchte es als erstes. Er rutschte aus. Konnte sich gerade noch auf deinen Beinen halten. Musste aber seine Hände zur Hilfe nehmen die komplett im Matsch verschwanden, wie auch seine Füße. Lisa stellte sich ein wenig geschickter an. Trotz beschissener Situation konnten wir uns vor lachen nicht mehr halten. Wir versuchten so gut es ging den Matsch zu entfernen. Mittlerweile waren unsere Füße klatsch nass. So langsam machte das alles keinen Spaß mehr. Wir gingen noch bis zur nächsten Kreuzung. Von dort konnten wir das Tal hinauf schauen, dicke Schneewolken, Nebel und der Regen steckten im Tal fest. Es hatte alles keinen Sinn mehr. So nass wie wir waren und dann bei 0 Grad im nassen Zelt. Nein danke. Wir entschlossen uns wieder abzusteigen und im Tal zu den Lodges zu gehen.

In der ersten Lodge waren Arbeiter, die uns aber nicht aufnehmen wollten. Der Campingplatz war noch geschlossen. Am Ende der Straße kamen wir zu einem größeren Hotel, was renoviert und für die kommende Saison vorbereitet wurde. Die Managerin hatte Mitleid mit uns und wir durften hineinkommen. Wir bekamen etwas warmes zu trinken und zu essen. Am Kaminofen durften wir uns aufwärmen. Kurze Zeit nach uns kam noch ein Pärchen aus der Österreichgruppe. Ihnen war das Wetter und der weitere Aufstieg zu den Torres auch nicht mehr geheuer. Sie waren bis auf die Unterhose nass.

Wir durften unser Lager zwar nicht im Hotel aufschlagen, aber immerhin unter einem Vordach am Seiteneingang. Als wir am nächsten Morgen aufwachten war alles mit einer dünnen Schneeschicht bedeckt. Von dem Team in der Lodge wurden wir noch zu einem kleinen Frühstück eingeladen. Danach machten wir uns auf den Weg zum Parkeingang. Die letzten 7,5 km. Es schneite natürlich. 😉 Was waren wir froh als wir in der Rangerstation am Parkeingang ankamen und uns wieder vor einem warmen Ofen aufwärmen konnten. Wir hatten in unseren 5 Tagen alle Jahreszeiten einmal durchgemacht, Sonne, Regen, Wind und Schnee. Um 13 Uhr kam der Bus und brachte uns zurück nach Puerto Natales. Als wir aus dem Nationalpark herausfuhren kam das schönste Wetter wieder zum Vorschein.

Fazit!

Im Nachhinein war es eine super Erfahrung, auch wenn wir richtig Pech mit dem Wetter hatten. Trotzdem würden wir es immer wieder so und auf eigene Faust in der Nebensaison machen. Wir würden uns nur mehr Tage Zeit lassen um die wunderschöne Natur noch mehr genießen zu können. Die Tagesetappen sind schon stramm. Es ist unserer Meinung überhaupt nicht notwendig eine geführte, mehrtägige, viel zu überteuerte Tour zu machen, da der Weg klar ausgeschildert ist und im Sommer Massen an Leuten dort unterwegs sind. Es war ein schönes Abenteuer mit unserem ganzen Gepäck unterwegs zu sein und im Winter, um den Gefrierpunkt herum, zu campen.

Erlebt: August 2016

Weitere spannende Infos findest Du unter den folgenden Links:

Beiträge     Videos     geplante Route     aktuelle Route     Visum     Unterschlupf

Ausgaben     Kontakt     Vorbereitungen     Über uns

Comments are closed.


EnglishFrenchGermanSpanish
Auf Weltreise seit:

                     15. Mai 2014

letzten Beitragsstandorte
Besucher
  • 87738Besucher gesamt:

Welcome , today is Dienstag, 19. November 2019